Vigaun St. Margarethen, Bruderloch (S)

07.-20.05.2007

KG Vigaun OG St. Margarethen VB Hallein

bruderloch1 bruderloch2

Das Bruderloch bei St. Margarethen bildet eine markante Halbhöhle (Abri) am Westfuß des Adneter Riedls, in sicherer Lage oberhalb des Überschwemmungsgebietes der Salzach.
Das Bruderloch weist eine ausgezeichnet geschützte Siedlungslage auf. Dementsprechend wurde vermutet, dass das Bruderloch als Raststation nacheiszeitlicher Jäger genutzt worden sei. Eine Verbindung des Bruderloches mit spätantik – frühchristlichen Rückzugssiedlungen wird in der Forschung erwogen. Lokale Traditionen bringen das Bruderloch mit dem Wirken des Hl. Severin in Verbindung. Gesicherte Beweise für diese Hypothesen existierten, mangels archäologischer Untersuchungen, bislang nicht.
1969 wurde 200m südlich des Bruderloches durch M. Hell eine Kulturschicht der frühen Bronzezeit freigelegt. Weitere Funde legen eine zumindest gelegentliche Begehung des Areals zwischen Hallstatt- und Spätlatènezeit nahe.
Der Kulturverein Vicone ersuchte daher die Salzburger Landesarchäologie im Vorfeld geplanter Sanierungen der als Andachtsstätte genutzten Halbhöhle eine Sondierung vorzunehmen.
Diese Maßnahme wurde in Kooperation mit dem Österreichischen Forschungszentrum Dürrnberg im Zeitraum 04.-21.05.07 realisiert.
Als Vorstudie für die weiteren Grabungen wurde gemeinsam mit der Firma Geometer Fally, Salzburg, ein 3D-Laserscan der Halbhöhle durchgeführt, die zahlreiche Einarbeitungen aufwies. Die Nischen und Einarbeitungen lassen sich mit der Nutzung als Kapelle hinlänglich (Einlassungen für Andachtsbilder und Opferkerzen) erklären. Horizontale Einarbeitungen von Balkenlagen und treppenartige Aufstiege zu Podien sind hingegen nicht ausschließlich mit dieser jüngsten Nutzung der Halbhöhle zu verbinden.
Nach Abbau der derzeit vorhandenen Bänke wurde ein 2m breiter und 10m langer Schnitt angelegt. Dieser erstreckte sich vom Altarraum am Ostende bis rund 1m vor die Geländeabbruchskante im Westen.
Unmittelbar im Bereich des Ostprofiles wurde unter dem rezenten Höhlenboden (stärker humos durchmischtes Material) eine nicht näher datierbare Brandverfärbung angetroffen. Das umgebende Aufschüttungsmaterial, gebildet aus planiertem Absturzmaterial des Höhlendaches, enthielt neuzeitliche glasierte Keramikfragmente.
Während im Osten der anstehende Konglomerat des Höhlenbodens bereits 0,2m unter AGN angetroffen wurde, fällt er nach Westen stark ab. Bei Lfm 6 zeigt sich eine leichte Stufung im Fels von ca. 1,80m Breite. Westlich dieser fällt das anstehende Material nahezu lotrecht ab.
Im Bereich der Stufe wurde, durch eine Lehmpackung vom anstehenden Felsen getrennt, der aus Bachgerölle gebildete Unterbau einer 1,1 x 1,02m großen Feuerstelle freigelegt.
Die in annähernd rechteckiger Form angeordneten Bachgerölle waren teilweise mit Konglomeratbrocken vermischt und wurden von einer stark verziegelten Lehmschicht bedeckt.
Im Bereich dieser Feuerstelle wurden Bruchstücke spätmittelalterlicher – frühneuzeitlicher Kochtöpfe und das Beimesser einer Bauernwehr gefunden.
Da keine älteren Funde im Bereich des Schnittes getätigt wurden, ist davon auszugehen, dass der Boden der Halbhöhle bei Anlage der Feuerstelle vollständig ausgeräumt wurde. Etwaig vorhandenen Spuren älterer Aktivitäten im Bereich des Abri wurden dabei völlig getilgt.
Die Feuerstelle und die ausgebauten Podien und Balkenauflager können wohl mit unmittelbar nördlich der Halbhöhle entlang des Konglomeratrückens des Adneter Riedles angelegten Steinbrüchen in Verbindung gebracht werden. Diese Steinbrüche lieferten vorwiegend das Baumaterial für die spätgotischen Kirchenbauten der Pfarrkirche St Dionysius von Vigaun und der Filialkirche Hl. Margaretha in St. Margarethen.

Lit.:
M. Hell, Fundberichte aus Österreich 9, 1966-1970 (1969-1971), 255.269.
Th. Stöllner, Die Hallstattzeit und der Beginn der Latènezeit im Inn- Salzach-Raum. Archäologie in Salzburg 3/II (1996) 108.

Funde und Dokumentation im Salzburg Museum
Raimund Kastler
Stefan Moser

 

 

Zusätzliche Informationen