Oberndorf - Göming

16.07. – 10.08.2007

KG Oberndorf SG Oberndorf VB Salzburg- Umgebung

oberndorf1In der Zeit zwischen dem 30.07, und 09.08. 2007 führte die Salzburger Landesarchäologie gemeinsam mit dem Institut für Keltologie der Universität Wien und der School of History, Welsh History and Archaeology, University of Bangor Wales Ausgrabungen auf der sogenannten Kastellwiese an der Gemeindegrenze Oberndorf / Göming durch.
Die als Lehrgrabung gestaltete Maßnahme erfolgte im Zuge eines Gemeinschaftsprojektes mit der prähistorischen Abteilung des Oberösterreichischen Landesmuseum (MagA J. Leskovar), vgl. Beitrag Lochen. Ziel des Projektes ist die chronologische Fixierung der gemeinhin als keltische Viereckschanzen angesprochenen Geländedenkmale in Salzburg und Oberösterreich durch Ausgrabungen und zerstörungsfreie archäologische Methoden.

oberndorf2Die als verschanztes Lager bezeichnete Fundstelle in Oberndorf wurde bereits 1897 durch die k.k. Central-Commission erstmals beschrieben. Damals zeichnete sich auf der Wiese noch eine grob 80 x 100m große quadratisch umwallte Fläche ab. An den Seiten erhob sich der Wall noch rund 1,2m über das Geländeniveau, in den Eckbereichen wurden kegelförmige Erhöhungen von rund 2,5m über Niveau beschrieben. An der Nordwest- und Südostseite wurden Reste des umlaufenden Grabens beobachtet, während im Südwesten ein rezenter Abzugsgraben verlief. Im selben Jahr an der Ostecke und an der Nordostecke durch die aus Lehm bestehende Wallanlage gezogene Schnitte erbrachten Laufhorizonte und Brandschichten. Unter der Fundkeramik wird lediglich verriebene Terra Sigillata gesondert erwähnt.

Bei Begehungen 1927 und 1933 vermerkte M. Hell den Fund von latènezeitlicher Scherben, darunter auch Graphittonkeramik.

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In den 60er Jahren des 20. Jh.s wurden die Wallanlagen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit der Fläche in die Gräben einplaniert.
Zur Sicherung des Restbefundes wurde seitens der Salzburger Landesarchäologie im April 2003 eine geophysikalische Prospektion angesetzt. Die noch im Gelände leicht erahnbaren Formen des ursprünglichen Geländedenkmals zeichneten sich in der Geomagnetik nur unbefriedigend ab.
Der Grabung 2007 wurde daher eine Detailaufnahme des Oberflächenreliefs der Wiese vorangestellt.
Basierend auf den noch erkennbaren Geländemerkmalen wurde an der präsumptiven Südwestecke eine Testfläche von 6 x 6m geöffnet.
Bereits 0,2m unterhalb der Grasnabe ließ sich im Norden der Grabungsfläche eine annähernd dreieckig in die Grabungsfläche ragende Fläche mit hell-oliv braunem sandigem Lehm erkennen. Dieser war eine von Nord nach Süd annähernd rechtwinkelig umbiegende dunklere braune Verfärbung eines begleitenden Grabens vorgelagert.
Bereits in diesen oberen Schichten traten neben neuzeitlichen Funden auch Bruchstücke kammstrichverzierter Graphittonkeramik auf (Abb. 3).
Der festgestellte rund 3,5m breite Graben wies eine flache muldenförmige Sohle auf. In der Ostecke der Grabungsfläche wurde eine rezente Störung des Grabens beobachtet, auf deren Sohle ein Betondrainagerohr freigelegt wurde. Dieses war nach Aussage des Grundbesitzers von ihm selbst 1963 verlegt worden, als der bereits bestehende Graben ausgebaut wurde.
Dieser rezent genutzte Graben wurde daher im rechten Winkel auf die Ecke der Lehmfläche geschnitten. Unterhalb der Sohle des Entwässerungsgrabens trat stark lehmiger Sand zutage, der dem in der Nordecke der Grabungsfläche freigelegten Material entsprach Dieser Befund wurde als Einplanierung von Wallaufschüttung gedeutet. Rund 0,30m unterhalb der Sohle des neuzeitlichen Entwässerungsgrabens wurde ein 1,92m breiter und 0,6m tiefer Spitzgraben freigelegt, Die Sohle des Grabens ist gegenüber der des neuzeitlichen Nachfolgers leicht nach Süden verschoben, weist jedoch im Planum die grundsätzlich gleiche Orientierung auf.
Die in sich homogene Grabenverfüllung aus lehmigem Ton wies im unteren Bereich Reste eingeschwemmten Holzes und Astwerks sowie prähistorische Keramik auf. Aus der Oberfläche der südlichen Grabenwand wurde in situ ein aus einer Graphittonscherbe gefertigter Spinnwirtel (Abb. 4) freigelegt. Dieser legt eine Entstehung des Spitzgrabens in spätkeltischer Zeit nahe.
Nördlich des Grabens wurde flächig im Schnitt, stark mit Schotter durchsetzter, sandiger Lehm beobachtet, der als Wallfuß angesprochen werden kann.
Reste von eindeutig römischer Keramik oder von Brandhorizonten, wie in der Grabung 1897, konnten nicht beobachtet werden.

Funde und Dokumentation im Salzburg Museum
Raimund Karl
Raimund Kastler

 

Zusätzliche Informationen