Goldegg (S)

10.-21.09. 2007

Latènezeit - Römische Kaiserzeit
KG Schwarzach-I, OG Schwarzach, VB St. Johann im Pongau

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Im September 2007 fanden im Gemeindegebiet von Schwarzach archäologische Untersuchungen statt, die im Auftrag der Salzburger Landesarchäologie durchgeführt wurden. Der Fundplatz, eine durch steil abfallende Felsen geschützte Rückfallkuppe, liegt an einem Altweg, der oberhalb der so genannten Taxenbacher Enge vom Pongau in den Pinzgau führt. Aufgrund der Lage ging diese Höhensiedlung, die bereits seit 1938 bekannt ist, in die Literatur als „Passstelle bei Goldegg“ ein. Neben den Untersuchungen Hells fanden hier außerdem auch von 2000 – 2004 Lehrgrabungen der Universität Salzburg sowie Prospektionen der Salzburger Landesarchäologie statt. Die Bedeutung der Siedlung, deren Schwerpunkt in die Spätlatènezeit und die beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderte fällt, liegt vor allem in der Tatsache, dass sich hier eventuell Auseinandersetzungen zwischen Kelten und Römern im Zuge des Alpenfeldzuges nachweisen lassen. Trotz der vorangegangenen Grabungskampagnen konnte diese Fragestellung aber noch nicht eindeutig geklärt werden.
Aufgrund eines Windwurfes an der Nordseite des Geländes, der auch Abschnitte der Befestigung betraf, entschloss man sich zu einer erneuten Untersuchung. Hauptaugenmerk lag dabei auf der Dokumentation und Konservierung der freigelegten Mauerteile, die im steilen Gelände völlig abzurutschen drohten. Daneben wurde durch einen weiteren Schnitt versucht, den Eingangsbereich der Höhensiedlung zu lokalisieren. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Toranlage, deren Lage durch die Prospektionen im Gelände eingegrenzt werden konnte.
Bei den beiden ersten Grabungsschnitten, die im Bereich des Windwurfes lagen und in der Größe je einem entwurzelten Baum entsprachen, wurde zuerst die Oberfläche der Mauerreste geputzt, um näheren Aufschluss über die Bauweise zu erhalten. Der Verlauf der z.T. gemörtelten Befestigung entsprach großteils den anstehenden Felsrippen aus Kalkschiefer. Dabei wurde die durchschnittlich 90 cm breite Mauer zumeist an diese Formationen angesetzt. Der Fels wurde nur überbaut, um Richtungskorrekturen im Verlauf zu erhalten. Der vorgefundene Aufbau entsprach den Ergebnissen der Lehrgrabung von 2004. Die Außenkante besteht aus z.T. zugerichteten Steinen bzw. Blöcken, während die Innenkante unregelmäßig verläuft; hier wurden als Material vor allem Bruchsteine verwendet. Neben anstehendem Material wurden auch Bachgerölle verbaut. Hinter der Mauer bzw. über den Felsrippen befand sich eine Ausgleichsschicht aus kleinteiligem, maximal faustgroßem Steinmaterial. Die Hinterfüllung in diesem Bereich kann aber im Gegensatz zur Kampagne von 2004 auf der Kuppe der Höhensiedlung nicht als Stein-Erde-Rampe angesprochen werden. Bei den beiden durch Windwurf freigelegten Mauerabschnitten konnten keine weiteren Hinweise über den Aufbau der Befestigungsanlage gewonnen werden. Das hier geborgene Fundmaterial besteht hauptsächlich aus Keramik aus der Latène- sowie Römerzeit.
Im Bereich der vermuteten Toranlage wurde vorerst im relativ steilen Gelände ein Schnitt mit 3 x 4 m von West nach Ost angelegt. Bereits ab 0,1 m unterhalb der Oberfläche wurden großflächig verstürzte Mauerteile angetroffen. Der Schwerpunkt lag dabei im Norden der Grabungsfläche und dürfte somit der Fallrichtung entsprechen. Der Versturz erreichte im Bereich der Befestigung selbst eine max. Höhe von 0,3 – 0,5 m und wies hier auch Mörtelreste auf. Die Mauer selbst war an der Nordseite noch bis zu sieben Scharren erhalten und zeichnete sich durch einen sorgfältigen und massiven Aufbau mit Mörtel aus. In ca. 70 cm Tiefe erreichte man das Niveau einer Fundamentkante. Hier reichte der Versturz bis in diese Tiefe. Allerdings zeigten sich auf diesen Steinen keine Mörtelspuren. Reste von vergangenem Mörtel konnten nicht lokalisiert werden. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass nur das Fundament und die ersten Lagen der Mauer in Mörteltechnik errichtet waren, der weitere Aufbau erfolgte dagegen in Trockenbauweise. Die Hintergründe dafür entziehen sich derzeit noch unserer Kenntnis. Da auf der gesamten Grabungsfläche kein Hinweis auf einen Zugang bzw. einer Torwange ergraben werden konnte, wurde die Schnittfläche nach Südosten auf einen Teilbereich des rezenten Weges erweitert. In diesem flachen Gelände wurde der Versturz durch Materialverlagerung z.T. erst 0,3 m unterhalb der Oberfläche angetroffen. Die Mauer verlief hier ohne Unterbrechung  in einem kleinen Bogen nach Südwesten weiter. Demnach befand sich die Toranlage weiter südlich als bisher angenommen. Der ursprüngliche Weg ist höchstwahrscheinlich im steilen Hanggelände abgegangen oder der Eingangsbereich wurde über eine Holzkonstruktion erreicht. Geländeformationen lassen die Vermutung zu, dass der Eingang als Zangentor zu bezeichnen ist. Dem entspricht auch der bogige Mauerverlauf im Bereich des rezenten Zugangsweges. Das Fundspektrum, das zum Großteil im Versturz geborgen werden konnte, reicht hier von Grafittonkeramik und römischen Schuhnägeln, über keltisches Kleinsilber bis hin zu einem Schildbuckelfragment. Eine genaue Datierung kann vermutlich mit Hilfe von Holzkohleproben erfolgen, die ebenso in den verstürzten Mauerbereichen geborgen werden konnten.
Die Untersuchung des Geländes wird voraussichtlich nächstes Jahr weiter fortgesetzt, um die Frage des Zugangsweges zu klären.

Lit.:
M. Hell, Römische Passstelle bei Goldegg im salzburgischen Pongau. Arch. Austriaca 51, 1972, 104-112.
E.M. Feldinger, P. Höglinger und F. Moosleitner, KG Goldegg. Fundber. Österreich 40, 2001, 612-613.
P. Höglinger, KG Goldegg. Fundber. Österreich 42, 2003, 688-689.
P. Höglinger und U. Hampl, KG Goldegg. Fundber. Österreich 43, 2004, 877-878.
F. Moosleitner, Zur Kontinuität von der Spätlatènezeit zur frühen römischen Kaiserzeit im Salzburger Land. In: Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte 8 (Bonn 2004) 175-186, 183.

Funde und Dokumentation im Salzburg Museum.
Raimund Kastler
Heidi Plötzl
Waltraud Schmidl

 

Zusätzliche Informationen